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Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Schleiter war auf vielen Gebieten ein Vorbild und ein Vorreiter. So war er ein Vorbild in Bezug auf die Qualität seiner Lehre und führte als Vorreiter schon in den 1960iger Jahren einen hochschulpädagogischen Lehrgang für Habilitanten und Hochschullehrer ein. Vorreiter war er auch in der Kolikchirurgie, so begann er schon 1946 sich diesem Thema zu widmen. Auch die Anwendung von Halothan bei Pferd und Rind und die perkutane Osteosynthese bei diesen Tierarten waren innovative Projekte von ihm. Viele eigene wissenschaftliche Arbeiten, Bücher, Buchbeiträge und unzählige Vorträge, aber auch 82 von ihm betreute Doktorarbeiten und 3 Habilitation zeugen von seiner wissenschaftlichen Produktivität. Vorbildlich setzte er sich stets für die Belange der Veterinärmedizinischen Fakultät ein, auch unter schwierigen Bedingungen. Nach der Wiedervereinigung brachte er sich aktiv in den Erneuerungsprozess der Fakultät ein, hielt Vorlesungen, knüpfte Kontakte zu anderen Fakultäten und leistet damit einen großen persönlichen Beitrag zur Konsolidierung der Fakultät, obwohl er damals schon seit 4 Jahren emeritiert war. Im Jahre 2009 wurde ihm deswegen die Ehrendoktorwürde verliehen. Ein großes Vorbild war Prof. Schleiter auch als Mensch, humorvoll, schlagfertig und mitunter schonungslos offen. Auch im hohen Alter war er noch unglaublich aktiv, sei es privat (u.a. surfte er noch in hohem Alter), für die Belange der Fakultät oder für den von ihm mitbegründeten Freundeskreis, dessen Geschäftsführer er lange Jahre war. Als Dank für sein großes Engagement wurde er 2015 Ehrenpräsident des Freundeskreises Tiermedizin der Veterinärmedizinischen Fakultät. Ein Jahr später verstarb er im Alter von 96 Jahren.

Es ist der Verdienst von Prof. Dr. Ernst Lücker, des amtierenden Ehrenpräsidenten des Freundeskreises, dass wir in jedem Jahr Prof. Schleiter durch Vergabe des Hans-Schleiter-Preises für die beste Publikation ehren können. Der Preis wurde ermöglicht durch die überaus großzügige Spende von Heinz und Mathilde Lücker. Vielen Dank!

Für die Qualität der Forschung der Fakultät spricht, dass es für das Jahr 2022 zwei preiswürdige Publikationen gab, beide aus dem Bereich der Infektionsmedizin.

So wurde Frau Dr. Maria Elisabeth Wald ausgezeichnet für ihre Publikation mit dem Titel „Ivermectin Inhibits the Replication of Usutu Virus In Vitro“ [1], die im Juli 2022 in der international renommierten Fachzeitschrift „Viruses“ erschienen ist. Im zugrunde liegenden Forschungsprojekt hat Frau Wald interdisziplinär mit der Klinik für Vögel und Reptilien, dem Institut für Virologie der Humanmedizin der Universität Leipzig sowie der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen neue Aspekte des in-vitro Infektionsverlaufes des Usutu-Virus in verschiedenen animalen und humanen Zelllinien charakterisiert und mit Ivermectin eine pharmakologische Substanz mit antiviraler Wirksamkeit in-vitro gegen alle drei in Deutschland zirkulierenden Usutu-Virus Stämme identifiziert. Finanziert wurde die Arbeit durch ein Stipendium für Frau Wald bei der Jutta-und-Georg-Bruns-Stiftung für innovative Veterinärmedizin.

Frau Dr. Sophie Öhlmann erhielt den Hans-Schleiter-Preis für ihre Arbeit „D-Alanylation of Lipoteichoic Acids in Streptococcus suis Reduces Association with Leukocytes in Porcine Blood“ [2] erschienen in der open access Zeitschrift „Frontiers in Microbiology“, einer der meistzitiertesten Mikrobiologie-Zeitschriften weltweit. Die Studie setzt sich mit der Interaktion des Erregers mit Immunzellen im Blut über einen spezifischen Bestandteil der bakteriellen Zellhülle, der Lipoteichonsäure, auseinander. Die Bindung an Monocyten stellt für die Streptokokken kein „Todesurteil“ dar, sondern ist nach der modifizierten Trojanische-Pferd-Theorie der Schlüsselmechanismus für das Überwinden der Blut-Hirn- oder Blut-Liquor-Schranke, dem entscheidenden Schritt für das Auslösen eine Streptokokken-Meningitis. Diese stellt eines der größten Probleme in der Ferkelaufzucht dar. Das in einer Kooperation mit verschiedenen universitären Partner in Leipzig, und Hannover und sowie dem Leibniz Lungenzentrum des Forschungszentrums Borstel durchgeführte Forschungsprojekt enthält einen sehr großen Datensatz, der nahezu vollständig von der Preisträgerin alleine erhoben wurde. Das Projekt stellt die Basis eines DFG-Stapelantrages dar.

Wir beglückwünschen die beiden Preisträgerinnen und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg in ihrem wissenschaftlichen Tun!

Für den Freundeskreis Tiermedizin der Veterinärmedizinischen Fakultät

Prof. Dr. Michaele Alef

 

[1] Wald ME, Claus C, Konrath A, et al. Ivermectin Inhibits the Replication of Usutu Virus In Vitro. Viruses. 2022;14(8):1641. Published 2022 Jul 27. doi:10.3390/v14081641

[2] Öhlmann S, Krieger AK, et al. d-Alanylation of Lipoteichoic Acids in Streptococcus suis Reduces Association With Leukocytes in Porcine Blood. Front Microbiol. 2022;13:822369. Published 2022 Apr 18. doi:10.3389/fmicb.2022.822369