Prof. Dr. phil. et med. vet. Johannes Schmidt (1870 – 1953)

J. Schmidt war mit kleinen Unterbrechungen von 1906 bis 1951 Direktor der Medizinischen Tierklinik in Dresden bzw. seit 1923 in Leipzig. Von 1926 - 1927 sowie 1945 -1948 war  er Dekan der Veterinärmedizinischen Fakultät, Leipzig. Die letztere Amtsperiode war besonders bedeutend, da J. Schmidt am Kriegsende einer der wenigen verbliebenen Hochschullehrer war, die sich dem Wiederaufbau der Veterinärmedizinischen Fakultät mit ganzer Kraft stellten.

Prof. Dr. phil. et med. vet. Johannes Schmidt (1870 Loschwitz – 1953 Leipzig) nach einem Bild von Conrad Felixmüller, Foto: Manfred Fürll

Ab 1945 leitete J. Schmidt 75-jährig zeitweise stellvertretend sechs Institute und lehrte sieben Pflichtfächer. Diese Zeit  schilderte H. Schleiter (1993) wie folgt: “Wer damals das Werk der Vernichtung sah, der war überzeugt, dass dies das Ende der tierärztlichen Ausbildungsstätte in Leipzig bedeuten musste. Damals (1923) eine nach modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen erbaute neue Fakultät, jetzt Schutt und Asche durch zahllose Brandbomben; - damals eine Elite erprobter und erfahrener Hochschullehrer,... jetzt, 1945, ein Torso von einem Lehrkörper“.

Es ist vor allem das Verdienst von Johannes Schmidt, dass es heute wieder eine Veterinärmedizinische Fakultät in Leipzig gibt."

Damit hat Johannes Schmidt seinem unvergänglichen Lebenswerk die Krone aufgesetzt. Die gesamte Tierärzteschaft ist ihm zu ewigem Dank verpflichtet. Riedel (2004) fasste das Wirken von J. Schmidt mit dem Satz zusammen: „Johannes Schmidt trägt den größten Anteil am Erhalt der Fakultät nach 1945“

links: J. Schmidt mit Enkeltochter Vera (1939), rechts: Vera Hornickel und ihr Gatte in ihrem Lößniger Heim bei unserem Besuch 2021, Fotos: Manfred Fürll

Die Enkeltochter von J. Schmidt, Vera Hornickel, lebt heute noch. Sie besitzt einen Schmalfilm aus dem Jahr 1940, der die Familie bei Spaziergängen am Elsterflutbecken mit Frankfurter Wiesen (heute RB-Stadion), Palmengarten und Palmengartenwehr zeigt. Prof. Schmidt wohnte damals in der Tschaikowskistraße und somit unweit des Elsterflutbeckens. 

Frau Hornickel hat sehr gute Erinnerungen an ihren Opa. Als er starb, war sie 15 Jahre alt. Sie schilderte J. Schmidt als außerordentlich viel beschäftigten Hochschullehrer, der für seine Enkel demzufolge wenig Zeit hatte. Ihn z. B. in seinem Arbeitszimmer aufzusuchen war klein Vera strikt untersagt.

Kein Wunder, denn J. Schmidt trug die Hauptlast bei der Aufrechterhaltung der Lehre in den letzten Kriegsjahren und bei der Wiederaufnahme der Lehre ab 1946. Er leitete in der Nachkriegszeit mehrere Institute und vertrat in der Lehre die Pathologie, Parasitologie, Pharmakologie, Toxikologie sowie Innere Medizin.

Prof. Schmidt bei einem Spaziergang mit seiner Familie am Elsterflutbecken/Palmgartenwehr (1940). 

Die Literatur ist sich einig:

Johannes Schmidt hat mehr zum Wiederaufbau der Fakultät in der Nachkriegszeit geleistet, als Oskar Röder, nach dem die „Röder-Medaille“ gestiftet wurde.

Lukas Felix Müller schrieb im Nachruf 1953 für J. Schmidt:

So ist Johannes Schmidt allen als leuchtendes Vorbild opferbereiter Hingabe an das Werk, teilnehmender
hilfsbereiter Menschlichkeit und persönlicher Bescheidenheit unvergesslich

Lukas Felix Müller