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Es wurde getrimmt, gemessen und präpariert, aber auch gründlich diskutiert: Vom 10. bis 12. Oktober waren das Veterinär-Anatomische Institut sowie die Klinik für Klauentiere gut besucht und damit Plattform für zahlreiche Klauenpfleger, Landwirte und Tierärzte. Im Anschluss waren sich alle einig, dass in diesem Bereich noch so manche Innovation darauf wartet, Fuß (und Klaue) zu fassen.

Ganz im Sinne des Bovi Bond Symposiums nutzen Klauenpfleger die Möglichkeit, der Anatomie der Klaue auf den Grund zu gehen. Foto: Ines Kupfer

Ganz im Sinne des Bovi Bond Symposiums nutzen Klauenpfleger die Möglichkeit, der Anatomie der Klaue auf den Grund zu gehen. Foto: Ines Kupfer

Touchpoint "Klaue" bringt Interessen zusammen und schafft neue Impulse

Unter dem Motto Praxis trifft Wissenschaft versammelten sich rund 100 Teilnehmer, Aussteller und Mitwirkende zum Bovi Bond Symposium Leipzig 2019 – der ersten von womöglich noch weiteren Klauenpflege-Veranstaltungen mit Schwerpunkt Anatomie hier an der Veterinärmedizinischen Fakultät. Ziel war eine qualitätsvolle Schnittstelle zwischen der Klauenpflege als praktischem Handwerksberuf und dem spezifisch anatomischen Wissen zur Klaue sowie der Tiergesundheit aus klinischer Sicht zu finden. Denn nicht zuletzt fußt das Wohlbefinden der Milchkühe auf der andauernden Druckbelastung und den charakteristischen Haltungsbedingungen im Betrieb. Ferner ließen sich Rückschlüsse auf Entzündungsprozesse innerhalb des Körpers schließen, auf die Milchleistung und die gesamte Laktationsperiode. Den Klauenpflegern offenbarte sich somit ein beachtlicher Mehrwert für ihre tägliche Arbeit. Und auch der Klauenpfleger als Mensch und dessen artgerechte Haltung, beispielsweise im Sinne von Körperhaltung am Klauenstand, standen immer wieder zur Debatte.

Eine Vortragsreihe, die zu Diskussion und zum Nachdenken anregt

So handelten die Vorträge von Professor Dr. Alexander Starke, als Spezialist für Wiederkäuerkrankheiten, und auch von Antoine Janssen, seines Zeichen Klauenpfleger-Instrukteur, nicht ausschließlich vom Tier, sondern eben auch vom korrekten Arbeitsschutz, Hinweisen zu Werkzeugen sowie essentiellen Tipps, um mit Betrieben und Verantwortlichen nachhaltig zu kommunizieren. Direkt zur Klauenpflege wiederum referierten Dr. Andrea Fiedler, als Vertreterin des Vereins geprüfter Klauenpfleger e.V., und Aaron Lavoy, Eigentümer der Midwestern Hoof Care LLC in Wisconsin – hier entbrannten dann auch die Klauenpfleger-Herzen, welche Technik oder Maßnahme denn nun bei welchem Fall am besten zum Einsatz käme. Über spezielle Fälle und Erfahrungsberichte konnte zudem Klaus Hermann Haß aus seinem Klauenpfleger-Dienst berichten. Dass dabei oftmals ökonomisches Profitdenken mit Ansprüchen an den Tierschutz kollidiert, ist durchaus kein Geheimnis. Professor Becky Whay war daher extra von der Bristol Veterinary School angereist, um gezielt über die Bedürfnisse der Kühe zu sprechen, auf den angemessenen Umgang mit ihnen aufmerksam zu machen und wie zum Beispiel Stress im Klauenstand für alle Beteiligten reduziert werden kann. Von wissenschaftlicher Seite aus brachten insbesondere Professor Dr. Christoph Mülling und Dr. Fanny Ebert wesentliche Aspekte ein, vor allem zur Anatomie der Klaue und der Gliedmaße, zur Druckverteilung wie auch zu typischen bis hin zu außergewöhnlichen Klauen-Erkrankungen.

Und dazu ein nie dagewesenes Technik-Training dank vielseitiger Workshops

Durch das Programm führte Martin Zimmer als Vertreter der Firma Vettec Animal Health und damit Ansprechpartner zum Label Bovi Bond. Das Symposium bestand allerdings nicht allein aus Vorträgen: An allen drei Tagen wurde tatkräftig angepackt, angefangen beim Testen der diversen Klauenstände bis hin zum Ausschuhen im Präpariersaal. Die Workshops teilten sich in grundlegend fünf Stationen:

  • Arbeitsplatzgestaltung, Vor- und Nachteile bei der Integration des Standes in den laufenden Betrieb
  • Dokumentation der Klauenpflege für eines adäquates und modernes Klauengesundheitsmanagement
  • Bildgebende Diagnostik am Bewegungsapparat
  • Präparation und Demonstration an Kadaver-Klauen
  • Training zur Schneidetechnik und zum Kleben von Klötzen, einschließlich sensorischer Druckmessung

Kurzum, die Teilnehmer hatten alle Klauen voll zu tun und konnten einen tiefgreifenden Wissens- und Erfahrungsschatz mitnehmen, den sie hoffentlich schon bald in der Praxis erproben und mit positiven Erfahrungen weiterreichen, wenn nicht gar zum nächsten Symposium mit einbringen und so künftig die Qualität der Klauenpflege nachhaltig verbessern.

 

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