Historie

Ihre Spuren in der mehr als 225jährigen Geschichte der Veterinärmedizinischen Fakultät zu verfolgen heißt, die Herausbildung ihrer inhaltlichen sowie organisatorischen Elemente zu verfolgen und deren Ausprägung sowie Weiterentwicklung nach der grundlegenden Etablierung zu beleuchten.

Schulze (1966) charakterisierte die "Klinische Veterinärmedizin" als die "stationäre Behandlung von kranken Tieren und die gleichzeitige Unterrichtung der Studenten", sich dabei besonders auf die griechische Bedeutung des Wortes "Kline" = "Krankenlager" stützend. In dieser Betrachtung über "Die Entwicklung der klinischen Veterinärmedizin" verweist er auf die weit zurückreichenden Wurzeln, wie die in der brahmanischen Literatur erwähnte "gewissenhafte Behandlung kranker und verstümmmelter Rinder", die in der Blüte des Buddhismus 250 Jahre v.Chr. im ganzen Reich ausgewiesenen Tierspitäler oder die im Babylonischen Codex des Hammurapi (2200 v. Chr.) enthaltenen Abhandlungen über die Behandlung von Krankheiten der Haustiere. Dem steht ein Rückschritt der gesamten Heilkunst im Mittelalter gegenüber, wo diese in die Hände von Schäfern, Abdeckern und Schmieden geriet. In die Reihe verschiedener Tierarzneischulen, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden, ordnet sich auch die Dresdener ein.

Innere Medizin and der Tierarzneischule zu Dresden

Arbeiten zur Entstehung und Entwicklung der Veterinärmedizinischen Fakultät Leipzig wurden u.a. von Baum (1924), Schmidt (1925), Röder (1930), Schleiter (1955), Kolb (1959), Mehlhorn (1974), Erdmann und Hagemann (1977) sowie Anonym (1980) angefertigt.

Zunächst könnte gestritten werden, ob nicht der Grundanstoß zur Gründung der Dresdener Lehranstalt einem internistischen Gegenstand entsprang, nämlich die Mitte des 18. Jahrhunderts mit großen Verlusten grassierende Rinderpest. Sie führte am 30. 11. 1765 zur Bitte der "Landes-Oekonomie-, Manufaktur- und Komerziendeputation" um durchgreifende Gegenmaßnahmen bei der Landesregierung und zur Erneuerung derselben am 19. 12. 1767, unterstützt von einem gleichartigen Antrag des Sächsischen Landtages vom 11. 5. 1766.

1768 auf Vorschlag des Grafen von Lindenau (Oberstallamt) sowie von G. A. Langguth wurden C. F. Weber (Kompaniechirurg) und J. G. Hirsch (Schmied) drei Jahre nach Alfort (Frankreich) zum Studium in Pferdeheilkunde sowie der "Arzneikunst des Hornviehs" gesandt, das sie 1771 erfolgreich abschlossen und nach Dresden zurückkehrten.
Die allesumfassende "Tierheilkunde" wurde mit der folgenden Gründung der privaten Weber’schen Schule 1774 von Weber allein vertreten. Von Anfang an gehörte das Tierspital zur Ausbildungsstätte, das in der Folgezeit der Leitung des Lehrers für praktische Tierheilkunde oblag. Die Ausbildungszeit betrug ein Jahr und beinhaltete u.a. drei Monate Anatomie, Physiologie, Pathologie sowie Zucht und sechs Monate praktische Ausbildung (Kolb 1959). In dem von Plattner 1769 erstellten Plan für eine tierärztliche Ausbildungsstätte finden sich u.a. als Aufgaben: "fleissig die Ställe kranker Thiere besuchen; den Lehrlingen... die Ursachen und Wirkungen dieser Krankheiten anschauend erklären und zu erkennen geben, die Merkmale und Unterscheidungszeichen der Krankheiten als eine der schwersten Lehre... fasslich und deutlich erkennen lehren" (zit. n. Kolb 1959).
Neben diesen Hinweisen auf die Diagnostik und Differentialdiagnostik findet sich ein Absatz zur sachgerechten Behandlung und Anwendung von Arzneimitteln.

Nach dem Tod von Weber fungierte ab 1780 G. L. Rumpelt gleichfalls als Alleinausbildender, nach dem Ankauf der Weber’schen Schule durch den Staat am 7. 10. 1780 in staatlicher Anstellung. Nach seinem Tod 1785 wurde von den nun zwei eingestellten Professoren J. G. Reutter mit dem praktischen Unterricht betraut. Allerdings genügte seine Tätigkeit nicht den Erfordernissen. Besonders die Tierseuchensituation mit erneutem Rinderpestzug als Begleiterscheinung des Napoleonischen Rußlandfeldzuges verlangte Veränderungen. Reformbemühungen von 1811 bis 1816 führten schließlich zur Entlassung der Brüder Reutter.

Auch der 1817 (-1820) aus Wien für praktischer Tierheilkunde berufene J. N. Brosche genügte den Anforderungen nicht. Im Ergebnis der in dieser Zeit erfolgten Reorganisation der Tierarzneischule wurde diese am 22. 2. 1817 der Chirurgisch-Medizinischen Akademie in Dresden angegliedert. Die Ausbildung umfasste zwei Jahre und sah im zweiten Jahr u. a. Vorlesungen über allgemeine und besondere Therapie, gerichtliche Tierheilkunde sowie das "Tierspital" vor. Die Allgemeine Therapie, die heute als Teil der Inneren Medizin gilt, taucht so in den Beschreibungen erstmals 1817 auf und wurde von Ficinus von 1817 bis 1852 vertreten. Die Spezielle Pathologie und Therapie als ein Wesenselement der Inneren Medizin wurde erstmals 1824 als eigenständiger Zweig mit der Berufung von Prinz, der seine Ausbildung in Alfort erhielt, auf die Professur für praktische Tierheilkunde u.a. mit den Lehrgebieten Allgemeine Pathologie, Spezielle Pathologie und Therapie sowie gerichtliche Tierheilkunde ausgewiesen.

Nach dem Tod von Prinz 1848 übernahm dessen Amt der Pensionärtierarzt A. Pieschel und lehrte in Normaler und Pathologischer Anatomie, Chirurgie sowie Hufbeschlag.

1853 folgte ihm G. C. Haubner im Amt. Er vertrat mit der Professur für praktische Tierheilkunde die Teile Krankheitslehre, Arzneimittellehre, polizeiliche und gerichtliche Tierheilkunde, allgemeine Tierzucht und Diätetik sowie die Klinik für Großtiere. Von ihm gingen wesentliche Reformen im Sächsischen Veterinärwesen aus. Er regte die personelle und räumliche Erweiterung der Lehranstalt und damit den Ausbau der Lehre an. Sein klinisches Wirken wurde als "außerordentlich lehrreich und anregend" geschätzt. Zu seinen vielfältigen Verdiensten zählt auch die jährliche Herausgabe des "Berichts über das Veterinärwesen im Königreich Sachsen" seit 1857, in dem sowohl über die Tierarzneischule berichtet wie auch wissenschaftliche Schriften publiziert wurden. Röder vermerkte 1930: "Seine großen Verdienste um das sächsische Veterinärwesen, um den tierärztlichen Unterricht und um die tierärztliche Wissenschaft zu schildern, würde zu weit führen. Seine dankbaren Schüler in Gemeinschaft mit dem Professorenkollegium stifteten seine Marmorbüste auf granitenem Sockel,... welche mit nach Leipzig überführt wurde und ... einen würdigen Platz fand."

1857 führten Reformen der "Kommission für das Veterinärwesen" zu einem neuen Unterrichtsplan, verbunden mit höheren Anforderungen. In dieselbe Zeit fällt der Neubau der Schule (Einweihung 1861) sowie die zunehmende Spezialisierung. Die Etablierung der Geburtshilfe 1857 und der Auswärtigen Klinik (jeweils Vogtländer) sowie der Klinik für Kleine Haustiere 1867 stellen Meilensteine in der Entwicklung der klinischen Disziplinen dar. Mit der physikalischen Diagnostik taucht 1876 ein weiteres Grundelement der Inneren Medizin in der Lehre auf, zu dieser Zeit zunächst von A. Johne vertreten.

O.A. Siedamgrotzky, der 1870 aus Zürich an die Dresdener Anstalt kam und zunächst u.a. die Klinik für kleine Haustiere sowie Arzneimittellehre übernahm, folgte dem am 1. 10. 1879 pensionierten Haubner im Amt mit der Übernahme der Professur für praktische Tierheilkunde sowie der Leitung des Tierspitals. Siedamgrotzki wurde "als hervorragender klinischer Lehrer von seinen Schülern verehrt und als Mitglied der Kommission für das Veterinärwesen von den Behörden außerordentlich geschätzt" (Röder 1930). Als Siedamgrotzki 1902 starb, wurde Edelmann sein Nachfolger in allen Ämtern.

Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellten
- die Erhebung der Bildungsstätte in den Rang einer Tierärztlichen Hochschule am 3. 6. 1889 anläßlich des 800jährigen Bestehens des Hauses Wettin
- die Bestätigung der Rektoratsverfassung mit Ellenberger als ersten Rektor 1903
- die Gewährung des Habilitationsrechtes am 17. 11. 1903
- die Promotionen gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät seit 1907
wesentliche Fortschritte dar, von denen auch die klinischen Disziplinen profitierten.
Zu diesen Fortschritten gehörte die Besetzung einer dritten klinischen Lehrerstelle 1898 durch O. Röder (Bezirkstierarzt) sowie die Trennung der Großtierklinik in eine Chirurgische sowie Innere Abteilung im Jahre 1906.

Ihre Leitung wurde Johannes Schmidt anvertraut, der bereits seit dem 13. 7. 1904 an der Hochschule wirkte. Damit war der unmittelbare Vorläufer der MTK organisatorisch herausgebildet. Die Zeit nach der Herausbildung der Disziplinenkliniken war wesentlich durch die Organisation der Umsiedlung nach Leipzig (Beschluß 1911, Bauarbeiten seit 1916) sowie durch den Weltkrieg geprägt. Die in den Jahren 1912 bis 1914 nachgewiesenen 21 Dissertationen an der MTK beschäftigten sich u.a. mit Tetanusantitoxinbehandlung, Morbus maculosus, Bulbärparalyse, Rindertuberkulose, "Schweineseuche", Hämatologie bei Haustieren und deren Zustand bei verschiedenen Krankheiten, Sarkomen bei Geflügel, Geflügelcholera sowie der Wirkung verschiedener Arzneistoffe. Nörr führte seine grundlegenden Untersuchungen zum EKG bei Pferden durch, die ihn zu einem der Väter dieser Untersuchungsmethodik machten und in der Habilitation 1921 für klinische Diagnostik mündeten.

Die Medizinische Tierklinik 1923 - 1945

Nach dem Umzug nach Leipzig erhielt die MTK in der neuen Veterinärmedizinischen Fakultät in der Österreicherstr. 53 ein "Hauptgebäude" mit Hörsaal, Labor- und Büroräumen, Sammlungsräumen, Apotheke, Bibliothek, Dunkelkammer, Wohnungen für den Klinikdirektor und weiteres Personal sowie ein doppelflügeliges Klinikgebäude für ansteckende (Druse, Pneumonie, Brustseuche, Räude, Infektiöse Anämie usw.) und nichtansteckende Krankheiten mit zwei großen "hellen Untersuchungshallen" sowie 16 Boxen für Großtiere bzw. der doppelten Anzahl bei der üblichen Anbindehaltung. Am Stallende befanden sich je zwei Stallabteilungen für insgesamt 12 Hunde (Schmidt 1925).

Die MTK stand von der Eröffnung der Fakultät im Herbst 1923 bis zum 30. 6. 1936 unter Leitung von Obermedizinalrat ("Ozi") Johannes Schmidt, Professor für spezielle Pathologie und Therapie der Haustiere und der gerichtlichen Tiermedizin. Nach seinem altersbedingten Ausscheiden ging die Leitung an H.-J. Voß über, der in Hannover studiert und in Breslau gewirkt hatte. Er habilitierte 1936 für klinische Veterinärmedizin. Seine Ernennung zum Professor und Direktor der Medizinischen Tierklinik erfolgte 1937. Im Nebenamt versah er mit größtem Engagement die Arbeit des Zootierarztes (Schulze 1990). Im Zeitraum 1939 bis 1945 war Voß zur Wehrmacht beurlaubt, sodass J. Schmidt erneut zeitweise als Leiter der MTK amtierte. Voß gründete später eine Großtierpraxis in Schleswig-Holstein und war darüber hinaus als Lehrtierarzt und für den Berufsstand sehr aktiv (Schulze 1990).

Bis zu seiner Berufung 1926 nach Sofia (später Gießen und München) wirkte weiterhin Nörr als Privatdozent an der MTK. Als Assistenten und Oberassistenten finden sich von 1923 bis 1945 die Namen Galli, Elsner, Kröger, Hütter, Brödner, Helmrich, Öhme, Wenzel, Sillberg, Hein, Messing, Schumann, Langrock, Braß, Haefele und Kothe. Während der Kriegsjahre ist die Namensliste nicht vollständig.

In seiner Festrede zur Eingliederung der Tierärztlichen Hochschule Dresden in die Leipziger Universität formulierte Baum (1924) folgende Aufgabenstellung: "Die Innere Medizin hat sich in erster Linie mit dem Ausbau der Diagnostik und mit der Vervollkommnung der Therapie vieler Krankheiten zu beschäftigen. Dabei wird sie erhebliche Anregungen durch die Fortschritte auf dem Gebiete der Medizin des Menschen erfahren. Dieser selbst aber kann sie nützen, indem sie z.B., wie seit Jahren geschehen, durch planmäßige Blutuntersuchungen die Beeinflussung des Blutes durch Krankheiten und Medikamente kennen zu lernen versucht. Weitere im Vordergrund des Interesses stehende Gebiete sind die Elektrokardiographie des Herzens, die Indikationen und Auswirkungen der spezifischen Eiweißtherapie, das Studium der neuen Arzneimittel und nicht zuletzt auch die Klärung der Aetiologie innerer Krankheiten."

Das Verzeichnis der Vorlesungen und Übungen für das Wintersemester 1923/24 enthielt "Spezielle Pathologie und Therapie der Haussäugetiere: Schmidt, Mo 5-6, Di, Do 12–1. Pathologie und Therapie des Geflügels: Schmidt, Fr 5-6. Diagnostik und Propädeutik innerer Krankheiten: Schmidt mit Nörr, Do 11-12. Medizinische Tierklinik: Schmidt, täglich 10-11. Arbeiten für Fortgeschrittene: Schmidt, tägl. 9-1 u. 2-6. Klinische Pathologie des Zirkulationsapparates: Nörr, Mi 12-1." (BTW 25, 451).
Für das Sommersemester 1938 weist das Personal- und Vorlesungsverzeichnis 15 Jahre später als Lehrveranstaltungen zwei Stunden "Klinische Propädeutik und Diagnostik" wöchentlich (Voß), drei Stunden "Spezielle Pathologie und Therapie einschließlich Geflügelkrankheiten" (Voß), täglich 9 bis 10 Uhr "Medizinische Tierklinik (Voß) sowie täglich Arbeiten für Fortgeschrittene" (Voß) aus.

1929 habilitierte Völker, der bei Reinhardt tätig war, für Innere Tiermedizin und Pharmakologie. Die wissenschaftliche Arbeit an der MTK ist in 91 Promotionen dokumentiert, die sich mit Borna’scher Krankheit (Pferd und Schaf), Tetanus, Tuberkulose, Druse, Infektiöser Anämie, Katarrhalfieber, Lymphangitis epizootica, Kolik, Schlundverstopfung, Lungen-, Leber- und Nierenkrankheiten, Augen- und ZNS-Störungen, Zahnkrankheiten, dem Schock und dem EKG, labordiagnostisch mit Gallenfarbstoffen, Zellen und Kristalle im Harn, Nasensekret, Milch, Benzidinprobe, Rest-N, Chlorid/ Harn, dem Blutbild und der Sublimatprobe, mit Parasitosen (Gastrophiliasis, Kokzidien, Lungenwürmer, Milbenseuche, Katzenräude), der Arzneimittelanwendung (Rhizoma veratri, Pulbit, Chloralhydrat, , Omnadin, Syrgotrachal, Cardiazol, Gripkalen, Dicodid, Ventrase, Acarestol, Adsorgan, Dilaudid, Äther, Silargel, Perlacar, Lentin, Expektorantien, Sinopin, Kolidrat, Novophytamin, Anergin, Calcium-Sandoz, Pulmocalcin, Chinin, Tribulet, Biohydrosils, Prontosil, Eigenblut, Albucid, Prontalbin, Urotropin, Amphotropin, Lachesis-Bengen) sowie der Hüttenrauchkrankheit beschäftigen. Neben dem Pferd, "Omnivoren" und Wiederkäuern sind den Titeln auch Bienen, Hochwild sowie Hunde zu entnehmen. Die 36 Publikationen entsprechen diesem weitgefächertem Spektrum, wobei 29 aus der Feder von J. Schmidt fast ausschließlich als Einzelautor entspringen.

Wesentlicher Einschnitt in diesem Zeitraum war für die MTK die zweimalige Bombardierung im Dezember 1943 sowie am 20. 2. 1945, bei der das Hauptgebäude und der rechte Stallflügel nahezu vollständig und der linke weitgehend zerstört wurden. Dabei gingen auch Sammlungen und die Bibliothek vollständig verlustig. "Die Veterinärmedizinische Fakultät erlebte den schwersten Niedergang in ihrer bisherigen Geschichte" (Kolb 1959).

Die Medizinische Tierklinik 1946-1968

Schleiter (1993) schilderte die Situation nach Kriegsende im Vergleich zum Neubeginn 1923 wie folgt: "Wer damals das Werk der Vernichtung sah, der war überzeugt, daß dies das Ende der tierärztlichen Ausbildungsstätte in Leipzig bedeuten mußte..."

Damals (1923) eine nach modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen erbaute neue Fakultät, jetzt Schutt und Asche durch zahllose Brandbomben; - damals eine Elite erprobter und erfahrener Hochschullehrer,... jetzt, 1945, ein Torso von einem Lehrkörper. Im Herbst 1945 erhielt J. Schmidt die Aufforderung, die Lehr- und Forschungstätigkeit an der Fakultät wiederaufzunehmen. Schulze (1993) berichtete: "Die erste Nachkriegszeit konnte die Leipziger Fakultät nur überstehen durch die Arbeit dieses Dioskurenpaares O. Röder und J. Schmidt..." Pflichtbewußtsein und Sorge für den akademischen Nachwuchs war beiden gleichermaßen Grundlage. J. Schmidt übernahm das Dekanat und eine kaum vorstellbare Zahl von Fächern in der Lehre und Prüfung, obwohl er im 76. Lebensjahr stand." Vorlesungen fanden in fensterlosen, ungeheizten Räumen statt. Während sich J. Schmidt der Lehre an der MTK annahm, übernahm O. Röder die Leitung der "Vereinigte-Universitäts-Tierkliniken". Die Patienten der MTK waren mit in der Chirurgie untergebracht. Das eine Stallgebäude der MTK wurde 1950/ 51 wiederaufgebaut. So konnte ab 1.12.1950 die MTK wieder offiziell ihre Aufgaben wahrnehmen. Zu den Mitarbeitern in den ersten Nachkriegsjahren an der MTK zählten L. F.Müller, H. Schleiter und H. Th. Weiß.

Das Personal- und Vorlesungsverzeichnis weist für 1949 neben J. Schmidt als Assistenten H. Schleiter sowie Maria Stubenrauch (arbeitete an der Kleintierklinik) aus und als Lehrveranstaltungen "Klinische Diagnostik innerer Krankheiten" (Schleiter), zweimal zwei Wochenstunden "Spezielle Pathologie und Therapie" (J. Schmidt), sonnabends 11.00 bis 12.00 Uhr Klinisch-chemische und mikroskopische Übungen (J. Schmidt und W. Schulze) sowie täglich 9 bis 10.00 Uhr "Medizinische Tierklinik" (J. Schmidt). Im folgenden Wintersemester 1949/50 kamen als weitere Lehrfächer die "Allgemeine Therapie" (J. Schmidt) und "Gerichtliche Tierheilkunde" (J. Schmidt) mit einer bzw. zwei Wochenstunden hinzu. Anstelle Schleiter ist für Klinische Diagnostik L.F. Müller ausgewiesen.

20 Dissertationen und 8 Publikationen sind im Zeitraum 1946/51 zur Borna’schen Krankheit, Myoglobinurie [Krahnert] und Actinomykose, zu labordiagnostischen Themen (Milch von Ziegen und Schlachtrindern, Blutstatus, Urobilin bei Pferd und Hund [Sattler]), zu Arzneimittelanwendungen (Sulfonamide [Richter], Eleudron, Jodqueck, Erngal, Herztherapie [Christoph], Homöopathie [Bentz], Crinol, Deumacard), zu Isopathie [Hubrig], Rheumatismus, BU in Pferdefleisch sowie Bombagen angefertigt worden und belegen den engagierten Neubeginn auch auf wissenschaftlichem Gebiet. Nach W. Schulze (1949) und K. Schmidt (1949 für Geburtshilfe) habilitierten H. Schleiter 1950 sowie L. F. Müller 1951 ("Die Bewegungserscheinungen am Darm des Pferdes") für Klinische Veterinärmedizin (Schulenburg und Schulze 1985).

Mit dem endgültigen Ausscheiden von J. Schmidt aus dem akademischen Dienst am 31. 8. 1951 ging die erste Phase des Wiederaufbaus nach dem Krieg zu Ende. Den Geist dieser Zeit charakterisierte Schleiter (1993) wie folgt: "Es entwickelte sich damals so etwas wie ein Geist der vet. med. Fakultät, der alle am Aufbau Beteiligte beseelte. Wir spornten uns auch gegenseitig zu Leistungen an, die vielleicht normalerweise utopisch gewesen wären. Wir identifizierten uns sehr stark mit dieser Fakultät und betrachteten uns als einen Teil von ihr und sie gehörte uns." Dieser Geist sollte auch künftighin bewahrt werden. J. Schmidt stand der Fakultät in den schwersten Nachkriegsjahren von 1945 bis 1949 als Dekan vor. Als er am 23. 2. 1953 starb, verlor die Leipziger Fakultät endgültig den Mann, "ohne dessen hohen Einsatz gerade auch in der Lehre die Fakultät damals erloschen wäre..."
J. Schmidt verdient als ein Großer in der Geschichte der Veterinärmedizin in lebhafter Erinnerung gehalten zu werden" (Schulze 1993).

Das schöpferische Werk von J. Schmidt wurde von den folgenden Direktoren der MTK L. F. Müller (1951 bis 1955), H. Schleiter (1955) sowie W. Schulze (1955 bis 1957) fortgeführt. L.F. Müller folgte später einem Ruf an die Freie Universität Berlin und W. Schulze an die Tierärztliche Hochschule Hannover. Unter ihren Mitarbeitern befanden sich Friedrich, J. Schulze, Grille, Kreuchauf, Siegert, Hiepe, Dangschat, Aierle, Gruner, Fischer, Reichel, Schützler, v. Kiesewetter, Gürtler, Fritzsche und Wünsche.
Die Fertigstellung des neuen Lehrgebäudes 1954 schaffte einigermaßen akzeptable Arbeitsbedingungen. Neben Pferden und Rindern wurden seit 1.12.1950 auch viele Ziegen, Schafe und Schweine versorgt, die bis dahin von der Kleintierklinik (Tierpoliklinik) betreut wurden (Schulze 1996).

55 Dissertationen und 43 Publikationen beschäftigten sich 1952 bis 1957 mit der Kolik, der Speiseröhrenfunktion, Borna’schen Krankheit [Gürtler, Gängel], der infektiösen Anämie [Schützler], Vormagenfunktion von Ziegen und Schafen (Atropin, Digerin, Arecolin, Lentin, Barium, Tinctura veratri, Salzsäure, Novalgin), labordiagnostischen Methoden (Blutstatus, Bilirubin, Urobilinogen, Alkalireserve, Knochenmark [Hiepe]), Liquorentnahme, -eiweiß, -glucose, -zellen [Seyfarth]), Wirkungen von Strophantin, Kontaktinsektiziden, Kupfer, Weißöl, Penicillin [Tützer], Rotlaufserum, Omnadin, Phenothiazin, Toluol und Bleudron.
Hiepe habilitierte 1958 mit einer Schrift zur Borna’schen Krankheit beim Pferd und folgte 1960 einem Ruf nach Berlin auf den Lehrstuhl für Parasitologie. Schulze (1998) hob besonders den Wert der Kolikforschung und der Systematisierung der Ziegenkrankheiten hervor. Über diese Zeit schrieb er weiterhin: "In der MTK machte der neue Schafgesundheitsdienst gute Fortschritte und es war eine erstklassige ‚Mannschaft‘ vorhanden. So wollte ich eine Abteilungseinteilung nichtselbständiger Abteilungen in engen MTK-Verbund nach Tierarten: Pferde, Schafe, Schweine zunächst etablieren. Der Anfang wurde auch praktiziert und entwickelte sich langsam. Nach meinem Weggang am 30.05.1957 wurde vom neuen, von aussen kommenden Direktor alles ‚abgeblasen‘ und eine politisch motivierte Veränderung des Personalbestandes radikal vollzogen."
Der Schafgesundheitsdienst wurde am 3.5.1955 von der MTK ins Leben gerufen, "um durch systematische gesundheitliche Überwachung der Schafbestände Herdenkrankheiten zu verhindern und geeignete Maßnahmen zur Leistungssteigerung durchzusetzen" (Schulz und Lippmann 1966).

Die politisch motivierten Veränderungen des Personalbestandes wurden mit der Berufung von J. A. Schulz zum neuen Direktor der MTK am 1.10.1957 eingeleitet. Schulz, gebürtiger Siebenbürger, war vordem in Thüringen als Kreistierarzt tätig. Bis heute hält sich das Gerücht, dass von ihm der Abschluss eines tierärztlichen Studiums nicht sicher nachgewiesen ist. Eine seiner Hauptaufgaben sah J. A. Schulz "in der Formung von Tierarztpersönlichkeiten, die sich ... durch festes Staatsbewußtsein, Anerkennung der führenden Rolle der Arbeiterklasse und ihrer Partei, Pflicht- und Verantwortungsgefühl gegenüber der Gesellschaft auszeichnen" (Schulz et al. 1967). J. A. Schulz war Dekan von 1967 bis zum 8.10.1968, als die Veterinärmedizinische Fakultät in die Sektion Tierproduktion/ Veterinärmedizin eingegliedert wurde und gehörte zu deren Wegbereitern.

Zu den wissenschaftlichen Mitarbeitern in dieser Zeit gehörten u.a. Rossow, Priboth, Wujanz, Wünsche, Lein, Köhler und Lippmann. Unter J. A. Schulz erfolgte der Ausbau eines Teils der Wohnungen im Hauptgebäude zu Labors sowie die Modernisierung des Stallgebäudes. Die Zahl der Assistenten wurde von zwei bis 1951 auf sechs ab 1959, der medizinisch-technischen Assistentinnen von eins auf drei sowie der Tierpfleger von zwei auf sechs aufgestockt. Der vorgesehene Aufbau des zweiten Stallflügels mit Zentrallabor wurde 1968 mit dem Zusammenschluss der Veterinärmedizinischen und Landwirtschaftlichen Fakultät zu einer Sektion abgesetzt.

An der MTK wurden 1958 436 Pferde, 184 Schafe, 22 Ziegen, 93 Rinder, 68 Schweine sowie 6 Kamele, Dromedare, Zebra, Reh bzw. Esel behandelt. Bei Pferden standen die Koliker, bei Rindern Indigestionen, FK-Erkrankungen, Leukose und Salmonellose, bei Schafen parasitäre Gastroenteritiden, bei Ziegen Indigestionen und bei Schweinen Ferkelgrippe und Vergiftungen im Vordergrund (Schulz et al. 1959).

Von 1958 bis 1967 befaßten sich 52 Dissertationen, 4 Habilitationen sowie 127 Publikationen hauptsächlich mit den sich explosionsartig entwickelnden labordiagnostischen Untersuchungsmethoden (Thrombozytenzählmethoden, BSR, Infusorien, Kolloidreaktion [Lippmann], Bluteiweiße und Serumeisen bei Leukose, Blutzuckermethoden, Bilirubin, Sterkobilinogen, Urobilinogen, Thorn-Test, BSP-Test, Leukozytenkonzentrat, , PAH-Clearance, AP, Ca, Pi, Mg, Na, K, Citronensäure, Cholinesterase, Analytik von Liquor, Leberbioptat und Pansensaft), der klinischen Arzneimittelanwendung (Spasmonal, Penicillin, Streptomycin, "Sulfonamide", Solupront, "Salthion liquidum", Lotagen, Ca-Gluconicum, Phenothiazine, Kontaktinsektizide, Bubulin) sowie verschiedenen diagnostischen Verfahren (Tuberkulintest, Blutdruckmessungen, Kreislaufzeit).

In der Zeit von Schulz habilitierten an der MTK Rossow (1965) über Leberfunktionsdiagnostik, Priboth (1966) über Osteopathien und Knochenbiopsie, Wujanz (1966) über Hämolysine und Bluttransfusion sowie Heidrich (1966) über den Mineralstoffwechsel und Hämoglobintypen jeweils beim Rind.

Bei der in dieser Zeit stark propagierten Einbindung der Tierärzte in den landwirtschaftlichen Prozeß bis hin zur Integration in Betriebe spielte die MTK eine "Vorreiterrolle", so z.B. mit der Patenschaft über die LPG Badrina bei Leipzig.

Die Medizinische Tierklinik 1968 - 1998

Diese Periode ist geprägt durch die dritte Hochschulreform - eine Periode, in der nach Mehlhorn (1974) die "Lehre von Marx, Engels und Lenin als Grundlage der veterinärmedizinischen Wissenschaft" diente.

Veränderungen in der Lehre betrafen u.a. die Verkürzung der vorklinischen Ausbildung auf drei Semester und der Gesamtstudienzeit auf fünf Jahre, die Konzentration der Lehrinhalte auf die "Erfordernisse der industriemäßigen Tierproduktion" (organisierte Prophylaxe, kontinuierliche Produktionskontrolle), die praktische herdendiagnostische Ausbildung mit "Praxisfahrten" in Betriebe und der Erstellung herdendiagnostischer Analysen sowie der Einführung einer Vorlesungsreihe und Prüfung "Veterinärmedizinische Produktionskontrolle". Die Erarbeitung einer Diplomarbeit während des Studiums wurde obligat. Ihre Benotung ging in das Abschlussdiplom ein, ebenso wie die "M/L-Note". Zur Gewinnung und Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses wurde weiterhin ein dreijähriges Forschungsstudium eingeführt, das sich an das Hauptstudium anschloss.

Das Ziel der klinischen Ausbildung wurde wie folgt charakterisiert: "Die klinische Ausbildung dient der Vermittlung umfangreicher Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten auf dem Gebiet der Ätiologie und Pathogenese, der Diagnostik, der Präventive und Prophylaxe sowie der Therapie von Einzeltier- und Herdenerkrankungen... Der Student lernt dabei den engen Zusammenhang kennen zwischen Betriebswirtschaft, Technologie und klinischer Veterinärmedizin in der industriemäßigen Tierproduktion sowie seine eigene spezifische Aufgabenstellung und Verantwortung im Rahmen einer hohen Produktionssicherheit. Klinik und Praxisfahrten stellen einen Schwerpunkt der Ausbildung dar" (Schleiter et al. 1974). Mehlhorn et al. (1974) spezifizierten für die Innere Medizin: "Die Studenten sollen wichtige Herdenkrankheiten ... unter Praxisbedingungen kennenlernen, ... ihr Wissen über Prophylaxe, Therapie und Diagnostik am Einzeltier und in der Herdendiagnostik ... anwenden, den Gesundheitsstatus einer Herde erfassen und üben, Maßnahmen zur Wiederherstellung der Herdengesundheit zu erarbeiten."

Bis zu seiner Pensionierung 1971 stand J. A. Schulz weiterhin der MTK vor, die seit 1968 zunächst als Fachruppe und später als Wissenschaftsbereich Innere Medizin bezeichnet wurde. Der Lehrstuhl war von 1971 bis 1977 unbesetzt und wurde kommissarisch von R. Lippmann (1971 bis 1975) sowie M. Schäfer von der Berliner Humboldt-Universität dem Ruf nach Leipzig und übernahm neben der Inneren Medizin auch die Ausbildung in Pathophysiologie und zu Teilen wieder der Gerichtlichen Veterinärmedizin. Das Wirken von Schäfer schätzte Schulze (1998) ein mit "Ab Prof. Schäfer kam es zur Konsolidierung."

Zu den Mitarbeitern gehörten Dozent Priboth, Wujanz, Lippmann und Lachmann (Oberassistenten) sowie Hölzer, Eichelberger, Düring, Fürll, Eulenberger, Siebert, Hunger und Uhlig als Assistenten.

Seit 1968 wurde die Vorlesungen in Klinischer Diagnostik (Lachmann, Schäfer, Uhlig) von 45 auf 30 Stunden reduziert, waren aber weiterhin tierartenübergreifend in klassischer Weise angelegt und wurden durch einen Abschnitt Herdendiagnostik ergänzt. Schäfer führte 1977 die praktische propädeutische Ausbildung in kleinen Gruppen zu fünf bis acht Studenten (10 Doppelstunden) sowie die Klinischen Übungen und Demonstrationen (zweimal wöchentlich als Doppelstunde) auf Seminargruppenbasis, d.h., in Gruppen zu ca. 20 Studenten eines Semesters ein.Labordiagnostik (Fürll) wurde zunächst mit 30 Stunden Vorlesung und 12 Stunden Praktikum, später mit 15 Stunden Vorlesung und 20 Stunden Praktikum gelehrt. Die Vorlesungen in Spezieller Innerer Medizin (Schäfer, Priboth, Wujanz, Lippmann) waren unterteilt in 45 Stunden Organ- und 60 Stunden Infektionskrankheiten, berücksichtigte alle Tierarten (in Teilen auch Kleintiere) und entsprach sowohl der Einzel- als auch der Herdentierhaltung. Die 45stündige Vorlesung in Pathophysiologie (Schäfer, Fürll) fand im vierten und fünften Semester statt, wurde durch Pathophysiologische Übungen (Fürll) im sechsten Semester ergänzt und mit einer Prüfung, die die Labordiagnostik einschloß, abgeschlossen. Gerichtliche Veterinärmedizin (Schäfer) umfaßte 15 Stunden Vorlesung. Zu den Lehraufgaben gehörten seit 1971 auch Beiträge im Rahmen der Fachtierarztausbildung Schweine und Staatsveterinärkunde in Leipzig sowie Rinder in Berlin.

Die Veränderungen durch die Kollektivierung der Landwirtschaft spiegelten sich in der Patientenzahl und –zusammensetzung wieder. Pferde gingen als Patienten deutlich zurück. Die niedrigste Patientenzahl betrug 1975 87 Pferde, 72 Rinder, 18 Schafe und Ziege sowie kein Schwein. Die Zahl der Rinder nahm später aus seuchenhygienischen Gründen noch mehr ab, so daß in der klinischen Ausbildung das Pferd der Hauptpatient blieb. Der Schafgesundheitsdienst lief 1968 aus.
Dafür wurden zunächst sporadisch und seit 1978 systematisch vierteljährlich Stoffwechselkontrollen in allen Milchviehanlagen und auch in Schafherden des Bezirkes Leipzig sowie bei Problemfällen durchgeführt.

Unter dem Oberthema "Stoffwechselstörungen bei landwirtschaftlichen Nutztieren" wurden in einer interdisziplinären Forschungsgemeinschaft als Teilthemen in diesem Zeitraum bearbeitet: Pansenstoffwechsel und Diagnostik dessen Störungen bei Rind und Schaf (Lippmann, Schäfer), Schockprophylaxe bei Schweinen (Wujanz, Fürll), Ätiologie, Pathogenese, Diagnostik, Therapie und Prophylaxe der akuten sowie chronischen Pansenazidose bei Rind und Schaf (Lachmann 1981Promotion B [Habilitation]), Energie- und Leberstoffwechselstörungen bei Rindern und Schafen mit "Vorkommen, Ätiologie, Pathogenese, Diagnostik und medikamentelle Beeinflussung von Leberschäden beim Rind" (Fürll 1989 Promotion B [Habilitation]) , Referenzwerte für Schafe unterschiedlicher Nutzungsrichtungen (Schäfer, Lippmann), Stoffwechsel bei Ganzkörperbestrahlung von Rindern und Schweinen (Schäfer), Referenzwerte bei Ziegen (Schäfer) sowie Lungenfunktionsdiagnostik und -therapie bei Rind und Pferd (Schäfer, Uhlig, Wujanz). Zu diesen Themenkomplexen wurden 112 Diplomarbeiten, 50 Promotionen sowie zwei Habilitationen erstellt. Außerdem wurden von Schützler (1969), Franz (1972), Börner (1979) und Hörügel (1987) Habilitationen an der MTK abgeschlossen.

Zu den osteuropäischen veterinärmedizinischen Ausbildungsstätten bestanden in diesem Zeitraum enge Kontakte sowie ein reger Studenten- und Wissenschaftleraustausch, zu Syrien und Kuba nur auf Wissenschaftlerebene. An wissenschaftlichen Veranstaltungen in westeuropäischen Ländern konnte aus den bekannten Gründen vereinzelt der Lehrstuhlleiter teilnehmen.

Zu den Gebäuden der MTK sind zwei wesentliche Dinge zu vermerken: In völliger Fehleinschätzung potentieller Infektionskrankheiten wurde der Seuchenstall der MTK Anfang der 70er Jahre an die Tierhygiene abgegeben. Damit fehlte die einfachste Möglichkeit der Abtrennung von Patienten bei Verdacht einer ansteckenden Krankheit, was erhebliche Probleme für die praktische Arbeit ergab. Ein weiteres Problem stellten notwendige Reparaturen dar. Selbst die dringendsten Arbeiten besonders im Stallgebäude an Dächern, Boxen sowie Kanalisation blieben unerledigt. Lediglich zur 200-Jahr-Feier der Fakultät (damals Fachrichtung Veterinärmedizin) 1980 erfolgte die längst überfällige Boxenrekonstruktion sowie gegen Ende der 80er Jahre das Umdecken des Daches.

Die Medizinische Tierklinik seit 1989

1989 hatte der "Wissenschaftsbereich Innere Medizin und Pathophysiologie" folgenden Personalbestand: 8 Akademiker, 1 Veterinäringenieur, 6 MTA und Biolaboranten, 4 Tierpfleger, 2 Sekretärinnen und eine Raumpflegerin. Mit der Wiederbegründung der Fakultät 1990 wurde auch die Bezeichnung "Medizinische Tierklinik" wiederhergestellt. M. Schäfer war sowohl letzter amtierender Sektionsdirektor als auch bis 1992 Klinikdirektor der MTK. Nach seinem Ausscheiden ging die Leitung kommissarisch an R. Lippmann von 1992 bis 1993 und nach dessen Tod 1994 an M. Fürll.
Seit 1994 fungiert G. F. Schusser – aus Wien berufen - als Klinikdirektor. Mit der Neuprofilierung der Fakultät wurden an der MTK eine C4-Professur für Pferdekrankheiten (Schusser) sowie eine C3-Professur für Klauentierkrankheiten und Labordiagnostik (Fürll) eingerichtet. Derzeit ist weiterhin eine C3-Professur für Schweinekrankheiten ausgeschrieben.

Mit der Wende wurden sehr schnell die Kontakte besonders zur Tierärztlichen Hochschule Hannover wiederhergestellt. Deren tatkräftige Unterstützung in den ersten Monaten nach der Wende u.a. mit Geräten, Chemikalien, Büchern, der Videothek und Fotoausrüstung, aber auch freundschaftlichen Ratschlägen sowie Hospitationsmöglichkeiten, hat auch für die MTK eine historische Dimension erreicht.
Die große Zahl von Gastvorlesungen 1990/91 wurde von M. Stöber, Rinderklinik Hannover, eingeleitet. Sein Ausspruch: "Jetzt, wo wir zusammen kommen können, wollen wir es auch tun" war quasi programmatisch. Besonders das selbstlose Bemühen von W. Schulze und E. Grunert um die Entwicklung der Fakultät und der MTK in dieser Zeit verdient besondere Würdigung.

Die gerätetechnische Ausrüstung der MTK konnte sehr schnell u.a. mit dem Blutgasanalyser ABL, Zellcounter, Vet-Test, Interpleuraldruckmessgerät, einem Laborautomaten Hitachi 704 und KNa, später auch Bronchoskop und Ultraschallgerät, verbessert werden. Parallel wurde Schritt um Schritt die Bausubstanz erneuert bzw. saniert , so die Boxen, Fenster, Dächer und 1992 der Außenputz.

Mit dem Wiederaufbau des zweiten Stallflügels im Mai 1997 wurde der ursprüngliche Zustand der MTK wiederhergestellt und die Möglichkeiten für die klinische Arbeit sowie die studentische Ausbildung grundlegend verbessert.

Mit der Samstagsakademie zur Gerichtlichen Veterinärmedizin am 22.2.1992 integrierte sich die MTK von Anfang an in diese durchweg sehr gut besuchte Fortbildungsreihe in Gemeinschaft mit der Akademie für Tierärztliche Fortbildung (ATF), die mit Symposien zum Festliegen (1994), zur Hufrehe (1995), der Dislocatio abomasi (1996), der Kolik (1997, 1998) und Stoffwechselstörungen (1998) kontinuierlich fortgesetzt wurde.

Die Lehre wurde schrittweise an die Tierärztliche Approbationsordnung angeglichen.

Heute werden die Klinische Diagnostik (Schusser, Fürll) und Labordiagnostik (Fürll, Köller), Propädeutische Übungen (Uhlig, Wittek, Locher, Sattler, Spallek, Recknagel, Breuer, Goerigk), Innere Krankheiten der Pferde (Schusser) und der Klauentiere (Fürll) sowie Gerichtliche Veterinärmedizin (Schusser) vertreten. Die Ausbildung in den Propädeutischen Übungen sowie Klinische Übungen und Demonstrationen erfolgt weiterhin in kleinen Gruppen.

Zusammenfassung

Die Innere Medizin als eigenständige Wissenschaftsdisziplin etablierte sich an der Tierärztliche Hochschule Dresden 1906 (Schmidt). Ihre Grundelemente Erkennung, Behandlung und Verhütung innerer nichtansteckender und ansteckender Krankheiten sowie Hautkrankheiten lassen sich von der Herausbildung der Tierarzneischule verfolgen. Die Allgemeine Therapie wird seit 1817 (Ficinus) als eigenständiger Teil gelehrt. Die Spezielle Pathologie und Therapie ist seit 1824 (Prinz) verankert. Physikalische Diagnostik wird seit 1876 (Johne) gelehrt. Mit der Umsiedlung nach Leipzig erhielt die MTK im Rahmen der Fakultät großzügige Räumlichkeiten einschließlich Stallungen. 1943 und 1945 wurden sie fast völlig zerstört. Herausragende Person an der MTK war Johannes Schmidt, der von 1904 bis 1951 der Ausbildungsstätte angehörte und neben Oskar Röder die tragende Säule beim Wiederaufbau in der Nachkriegszeit war.

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